Mein Weg führt mich seit Ende Februar in ein neues Leben. Ich mache eine Weiterbildung zum systemischen Coach. Was soll ich sagen? Es ist genau das, was ich immer machen wollte, machen sollte, jetzt endlich mache!
Ich bin so nahe bei mir, wie ich es noch nie war. Eine anstrengende, intensive Zeit und dennoch gut. Es fühlt sich einfach gut an.
Heute habe ich eine Erfahrung gemacht, die mich sicherlich noch sehr lange beschäftigen wird. Nach all dem, was in den letzten Wochen auf uns einprasselte, haben wir (6 wunderbare Frauen aller Couleur, meine Wenigkeit inkludiert) uns heute einen Tag außerhalb des Programms gegönnt.
Achtsamkeitstraining nach der buddhistischen Lehre.
Nur ein kleiner Einblick, nur ein kleines bisschen die Seele baumeln lassen, im Hier und Jetzt sein, die Sinne schärfen und einige Atemübungen und Sinnesübungen.
Ein wunderbarer Tag.
Am Ende dieses Tages ging es um aktives und achtsames Zuhören, ein wichtiger Bestandteil des Coachings und auch des Achtsamkeitstrainings.
Dieser Text war die Einleitung:
Wenn ich dich bitte, mir zuzuhören und du beginnst, mir Ratschläge zu geben, dann hast du nicht getan, worum ich dich gebeten habe.
Wenn ich dich bitte, mir zuzuhören und du fängst an, mir zu sagen, dass ich nicht so und so fühlen sollte, dann trampelst du auf meinen Gefühlen herum.
Wenn ich dich bitte, mir zuzuhören und du glaubst, du müsstest jetzt etwas unternehmen, um mein Problem zu lösen, dann machst du mich klein und schwach, so seltsam das auch klingt.
Hör mir zu!
Alles, worum ich dich bitte, ist, dass du mir zuhörst. Nichts sagst oder tust, nur zuhörst!
Ich kann alles für mich selber tun. Ich bin nicht hilflos und unfähig, bloß, weil ich krank bin oder Angst habe. Vielleicht mutlos und zaudernd, aber nicht hilflos.
Wenn du etwas tust, was ich selber kann und selber für mich tun müsste, dann trägst du zu meiner Unzulänglichkeit bei und vergrößerst meine Furcht.
Aber wenn du als simple Tatsache akzeptierst, dass ich fühle, was ich fühle – egal, wie unvernünftig das auch sein mag – dann kann ich aufhören, dich von der Richtigkeit meiner Gefühle überzeugen zu müssen und kann stattdessen versuchen, herauszufinden, was sich hinter meinen Gedanken und Gefühlen verbirgt.
Und wenn das klar ist, sind meine Antworten auf meine Fragen offensichtlich und deutlich. Dann braucht es keinen Rat!
Bitte hör mir zu!
Und wenn du erzählen willst, warte eine Minute, dann bist du an der Reihe und ich werde dir zuhören.
Danach haben wir uns in Zweiergruppen zusammengefunden und haben erzählt bzw. zugehört. Mit dem Herzen, mit den Sinnen. Ich habe zugehört, mein Gegenüber hat erzählt.
Es war schwer, ein Thema zu finden. Mindestens 10-15 Minuten sollte der eine erzählen, der andere zuhören. So lange?
Und dann geschah Folgendes:
Mein Gegenüber begann zu erzählen. Erst Belangloses. Mit langen Pausen. Ich hörte zu. Schweigen war auszuhalten. Ich hörte nur zu. Und dann floss es. Hin und her. Bis der Weg gefunden war. Sie erzählte und erzählte und ich war bei ihr. Hörte zu, sah ihr in die Augen, sagte kein Wort, war einfach da. Es flossen Tränen. Es wurde emotional.
Und ich fühlte mich getröstet. Es ging mir gut. Wohlgemerkt: ich war der Zuhörer, nicht der Redner!!
Und dann machten wir eine Pause. Wir schauten auf die Uhr. Mehr als eine Stunde war vergangen. Ich begann zu erzählen. Sie schaute mich an, war ganz bei mir. Ich redete und redete. Viele Knoten lösten sich und ich konnte Dinge sehen und fühlen, die ich als „gar nicht mehr vorhanden“ oder „weit weg in den Keller gepackt“ oder „einfach nicht da“ gebrandmarkt hatte.
Ich habe selten so etwas Intensives und Unglaubliches erlebt.
Glaubt mir: ab heute höre ich wirklich zu. Achtsam.